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Geschichte
 

1794, nach der Explosion der Pulverfabrik von Grenelle in unmittelbarer Nähe von Paris, bei der 1000 Menschen den Tod fanden, beginnt man, sich über die möglichen Risiken und schädlichen Auswirkungen menschliches Handelns bewusst zu werden.

Ab 1806 verpflichtet eine Verordnung des Polizeipräfekten von Paris die Betreiber gefährlicher oder gesundheitsschädlicher Anlagen, ihre Aktivitäten offiziell anzumelden. Diese Verordnung wird durch den kaiserlichen Erlass vom 15. Oktober 1810 für gefährliche, gesundheitsschädliche und belästigende Einrichtungen, der das französische Regelwerk für überwachungsbedürftige Anlagen begründet, ergänzt und auf das gesamte Staatsgebiet ausgeweitet. Industrieeinrichtungen werden nunmehr entsprechend ihres Gefahrenpotenzials in drei Klassen aufgeteilt und mehr oder weniger weit entfernt von Wohngebieten errichtet.

Das Gesetz vom 19. Dezember 1917 verbessert das Regelwerk, indem die am wenigsten schädlichen Anlagen einem einfachen Meldeverfahren unterworfen werden. Gegen Ende der 1960er Jahre wird die Inspektion überwachungsbedürftiger Anlagen, die zuvor von der Gewerbeaufsicht gewährleistet wurde, dem Service des Mines anvertraut und im Jahre 1971 an das neu gegründete Umweltministerium übertragen.

Das Gesetz vom 19. Juli 1976 über überwachungsbedürftige Anlagen zum Schutze der Umwelt wird zur rechtlichen Grundlage für die industrielle Umwelt in Frankreich. Dieser Text gründet sich auf einen so genannten integrierten Ansatz, das heißt, dass in der Regel eine einzige Genehmigung ausgestellt wird und diese sämtliche in Frage kommenden Aspekte regelt: Unfallrisiken, Abfall, Abwasser, Luft, Boden etc. Eine einzige Behörde ist zudem für die Anwendung dieser Gesetze zuständig: die Inspektion für überwachungsbedürftige Anlagen.

Das Gesetz vom 30. Juli 2003, in Folge der dramatischen Explosion des AZF-Werks in Toulouse im Jahre 2001, verstärkt die Risikoprävention. Parallel dazu werden die Kontrollinspektionen überwachungsbedürftiger Anlagen verschärft.

In Europa unterscheidet der Ansatz „Risiken“ und „Umweltbelastungen“.
Die erregten Gemüter nach dem Dioxinskandal in der italienischen Gemeinde SEVESO im Jahre 1976 veranlassten die Staaten Europas zur Begründung einer gemeinsamen Politik im Bereich der Vorbeugung großer industrieller Risiken. Am 24. Juni 1982 forderte die sogenannte „SEVESO“-Richtlinie 82/501/CEE alle Staaten und Unternehmen auf, Risiken in Verbindung mit einigen gefährlichen Industrieaktivitäten zu identifizieren und die notwendigen Maßnahmen für deren Abhilfe zu ergreifen. Diese Richtlinie wurde mehrmals geändert und ihr Anwendungsbereich nach und nach erweitert, insbesondere nach den folgenden Unfällen:

  • Verschmutzung des Rheins im Jahre 1986 mit 30 Tonnen Quecksilberpestiziden nach dem Brand eines Lagers in Basel (Schweiz)
  • Verschmutzung der Donau durch Cyanidlauge im Januar 2000 in BAIA MARE in Rumänien
  • Explosion der Feuerwerksfabrik von ENSCHEDE in den Niederlanden im Mai 2000
  • Explosion der Düngemittelfabrik AZF in TOULOUSE im September 2001

Den Rahmen dieser Maßnahmen bildet künftig die Richtlinie 96/82/CE, auch als „SEVESO II“-Richtlinie bekannt. Diese neue Richtlinie verstärkt den Begriff der Prävention großer Unfälle insbesondere durch die Verpflichtung des Betreibers zur Umsetzung eines Managementsystems und einer Organisation (oder Sicherheitsmanagementsystems), die auf die inhärenten Risiken der Anlagen exakt zugeschnitten sind. In Frankreich zählt man rund 1200 so genannte „SEVESO“ klassifizierte Anlagen.

Die Richtlinie 2008/1/CE über die integrierte Prävention und Reduzierung von Umweltbelastungen (die so genannte „IPPC“-Richtlinie für Integrated Pollution Prevention and Control) verpflichtet zu einem globalen Ansatz und betrifft die umweltschädlichsten Industrieanlagen. Der integrierte Ansatz zur Reduzierung der Umweltbelastung besteht in der Prävention von Emissionen in Luft, Wasser, Boden, im Abfallmanagement und sofern sich dies als unmöglich erweist, in der Eindämmung von Emissionen auf ein Minimum, um durch die Umsetzung der besten, verfügbaren Technologien insgesamt ein hohes Maß an Umweltschutz zu erreichen. In Frankreich existieren ca. 7.000 solcher IPPC-Anlagen und europaweit 55.000 IPPC-Anlagen.